Amphibienzugstellen / Amphibienwanderstrecken

Es gibt Zugstellen für die Hinwanderung und Zugstellen für die Hin- und Rückwanderung. Am besten sind die dauerhaften Zugstellen für die Hin- und Rückwanderung mit Amphibientunnels, da sie auch die Amphibien auf der Rückwanderung schützen. Die dauerhaften Leitsysteme mit Amphibientunnels werden manchmal mit temporären Zäunen erweitert.

Temporäre Zugstellen basierend auf Amphibienzäunen und Fangeimern

Bei temporären Zugstellen basierend auf Amphibienzäunen und Fangeimern (vgl. Abbildung 1) sollte zuerst entlang vom Zaun kontrolliert werden. Die Laufflächen unmittelbar entlang von Amphibienzäunen sollten möglichst frei gehalten werden. Schnee, Laub oder Äste und Anderes können die Funktion des Zaunes beeinträchtigen und ihn für Amphibien überkletterbar machen, die Amphibien unnötig aufhalten oder sie in falsche Richtungen leiten. Weiter ist sicherzustellen, dass die Fangeimer nie komplett austrocknen. Als Austrocknungsschutz dienen zum Beispiel feuchte Schwämme, feuchtes Laub oder feuchtes Moos. Ein oder besser zwei Stöckchen pro Eimer ermöglichen den Mäusen, Spitzmäusen und Käfern den Ausstieg. Wobei gewisse Mäusearten evt. weniger gut klettern können wie andere. An einer Zugstelle können Vögel wie Krähen, Raben, Mäusebussarden, etc. oder Säugetiere wie Füchse, Fischotter, Marder, Iltisse, Ratten, Wildschweine, invasive Waschbären etc. für Probleme sorgen. Deshalb ist die regelmässige Betreuung und das Beobachten wichtig. Die Amphibienzugstelle sollte Morgens und am Abend betreut werden. Bei enormer Wanderungsäktivität kann auch eine Betreuung am Nachmittag angebracht sein. Ebenfalls sollte auf der Straße kontrolliert werden. Amphibien auf der Straße sollten dokumentiert werden, so kann der Amphibienzaun eher verlängert oder verbessert werden. Die Amphibien werden für die Statistik gezählt. Kranke Amphibien sollten dokumentiert und gemeldet werden. Fotos und Hautabstriche können bei Chytridpilzen und Herpesviren nützlich sein. Wenn möglich, werden die Amphibien auf der anderen Strassenseite direkt ins Laichgewässer gesetzt.

Weitere Bemerkungen:

  • In manchen Situationen empfiehlt sich ein Fangkübel mit breitem Rand, um das Herausklettern von Laubfröschen zu verhindern.
  • Maschendraht und Netze sind als Amphibienzaun nicht zu empfehlen, da die Amphibien darüber klettern können. Insbesondere Netze haben nur eine begrenzte Leitfähigkeit.
  • Die Enden des Amphibienzauns sollten eine Umkehrschlaufe haben, um die Anzahl der Amphibien, die den Zaun verlassen, zu minimieren.
  • Die Mindesthöhe des Amphibienzauns sollte 40 cm betragen; bei Anwesenheit des Springfrosches sollte die Höhe mindestens 60 cm betragen.
  • Der obere Teil des Amphibienzauns sollte gebogen sein, um ein Überklettern durch Tiere zu verhindern.
  • Die Pfähle sollten nicht auf der Seite platziert werden, auf der sich die Amphibien bewegen.
  • Magnetisches Material sollte nicht verwendet werden, da dies die Erdkröte und andere Amphibien desorientieren könnte.
Abbildung 1: Temporäre Zugstellen basierend auf Amphibienzäunen und Fangeimern

Amphibientunnels

Es gibt Einweg-Amphibientunnels und Zweiweg-Amphibientunnels. Wobei die Zweiweg-Amphibientunnels die herkömmlichen Amphibientunnels sind und auch besser von anderen Tieren genutzt werden können.

Einweg-Amphibientunnels

Bei den Einweg-Amphibientunnels werden die Amphibien zu einem Fangschacht geführt, der sie zwingt den Tunnel zu benützen. Um die Strassenseite vom Laichgewässer her zu queren, existiert ein zweiter, analoger Fangschacht mit Tunnel (vgl. Abbildung 2). Der Fangschacht sollte abgedunkelt sein, damit die Amphibien den Ausgang leichter finden. Um den Fangschacht zu fotografieren musste ein Holzbrett entfernt werden (vgl. Abbildung 3). Der Ausgang des Tunnels ist ca. 20 cm erhöht, damit er nicht als Eingang benutzt wird (vgl. Abbildung 4).

Abbildung 2: Übersichtsskizze eines Einweg-Amphibientunnels mit Leitsystem
@ Rieder & Hafner
Abbildung 3 und 4: Einweg-Amphibientunnel in Kirchberg (SG) mit teilweise entfernter Abdeckung (Holzbrett) zur Dokumentation
@ Brenneisen & Szallies

Zweiweg-Amphibientunnels

Die Zweiweg-Amphibientunnels erlauben es den Tieren sich in beiden Richtungen zu bewegen. Bei Amphibientunnels mit einem Kastenprofil ist der Querschnitt der Lauffläche in der Regel relativ gross (vgl. Abbildung 6), im Idealfall mit Bodenmaterialien bedeckt (vgl. Abbildung 7). Ein Nachteil im Vergleich zu den Einweg-Amphibientunnels mit Fangschacht ist die Möglichkeit bei den Zweiweg-Amphibientunnels, dass die wandernden Amphibien die Tunneleingänge nicht finden. Wesentlich sind hier deshalb die Lenkungen zu den Eingängen mit trichterförmigen Gestaltungen, Geländeabsenkungen und/oder Einweisungselementen quer zur Laufrichtung aus Brettern (vgl. Abbildung 8 und 9), welche in den Tunnel hineinreichen. Je grösser der Querschnitt und je kürzer der Tunnel, desto eher nutzen ihn die Amphibien. Juvenile Amphibien sind viel sensitiver bzgl. der Nutzung von Tunnels betreffend der Trockenheit in den Tunnels und des Findens des Einganges. Holzbretter, Betonplatten, Metallplatten und wohl manchmal auch Kunststoffplatten können in nassem Zustand von juvenilen Amphibien (vgl. Abbildung 10 und 11) und Molchen überklettert werden. Überhängende Partien sind daher die sicherste Lösung am besten mit einem glatten Material kombiniert. Unnötige Kletterversuche kosten unnötige Energie und können die Überlebenschancen verringern. Positiv, die juvenilen Froschlurchen wachsen schnell heran und sind evt. schon grösser wenn sie die Zugstelle erreichen. Beobachtungen im Juni können Aufschluss geben ob und wie das Habitat oder das Leitsystem für die Rückwanderung aufgewertet werden sollte.

Die Amphibientunnels mit den dauerhaften Amphibienzäunen müssen ebenfalls kontrolliert werden. Sind die Tunnels noch durchgängig resp. ist das Licht des Tunnelendes noch sichtbar? Hat es zuviel Schnee, Laub, umgestürzte Bäume oder sind die Amphibienzäune sonst wie beschädigt oder beeinträchtigt? Werden die Tunnels von den Amphibien gut angenommen und rasch gefunden? Sind die Laufflächen entlang des Amphibienzaunes genügend bereinigt, so dass die Amphibien gut wandern können? Bereiten Fressfeinde Probleme? …

In der unteren Abbildung zu sehen ist eine Übersichtsskizze eines Zweiweg-Amphibientunnels mit Leiteinrichtungen (vgl. Abbildung 5). Die Stopprinnen (Abbildung 12 und 13) sollen die Amphibien abhalten via Feldweg auf die Strassen zu gelangen. Wobei diese nicht immer so gut funktionieren. Ein Viehgitter wäre eine bessere Option, ist aber wahrscheinlich wegen unachtsamen Fussgängern zu gefährlich. Die Umkehrschlaufen (Abbildung 14) fehlen oftmals, sie sollen die Amphibien zum Wenden bringen. Die Umkehrschlaufen sollten auch bei temporären Amphibienzäunen angebracht werden.

Abbildung 5: Übersichtsskizze eines Zweiweg-Amphibientunnels mit Leitsystem
Abbildung 6: Rechteckiger Zweiweg-Amphibientunnel
Abbildung 7: Mit Laub bedeckter rechteckiger Zweiweg-Amphibientunnel
Abbildung 8: Das Einweisungselement hilft den Amphibien den Tunnel zu finden.
Abbildung 9: Als Einweisungselement wird hier ein Holzbrett verwendet.
Abbildung 10 und 11: Juvenile Erdkröten klettern an einem feuchtem Holzbrett hoch.
@ Brenneisen & Szallies
Abbildung 12: Die Stopprinne soll verhindern das Amphibien via Feldweg auf die Strasse gelangen.
Abbildung 13: Die Stopprinne funktioniert nicht immer. Viehgitter oder Weidenroste wären besser.
Abbildung 14: Eine Umkehrschlaufe zwingt Amphibien zum Umkehren und reduziert die Anzahl der Amphibien, die am Ende des Zauns auf die Straße laufen.

Einweg-Barrieren

Dank den Einweg-Barrieren können die Amphibien vom Wald oder Feuchtgebiet her nicht auf die Strasse aber von der Straße in den Wald oder das Feuchtgebiet gelangen. Leider sind aber die Einweg-Barrieren noch kaum verbreitet. Die Firma ACO bietet solche „ACO Wildlife One-Way Fences“ (vgl. Abbildungen 15-17) an.

Abbildung 15 und 16: ACO Wildlife One-Way Fence
© ACO AG
Abbildung 17: ACO Wildlife One-Way Fence
© ACO AG

Vorübergehende Straßensperrung

Eine dauerhafte Sperrung der Straße während der Laichzeit kann eine gute Lösung sein. Falls dies nicht zu realisieren ist, ist wenigstens ein Nachtfahrverbot zu prüfen. Bei einem Nachtfahrverbot benötigt es jedoch eine Barriere die am Morgen geöffnet und am Abend geschlossen wird. Eine Fahrverbotstafel und ein Infoplakat ohne direkte Blockade genügen erfahrungsgemäß nicht. Zu beachten ist allerdings, dass die Amphibien manchmal auch am Morgen und sogar am Nachmittag wandern. Die in der Regel weniger konzentrierte Rückwanderung und die Abwanderung der juvenilen Froschlurchen werden oft ungenügend geschützt.